Ratgeber

Ein sicheres Zuhause für ältere Menschen: Leitfaden für Familien

Wie Sie mit Ihrem Elternteil respektvoll Raum für Raum die Wohnung prüfen und daraus einen praktischen Plan machen, den die ganze Familie teilt.

Die meisten älteren Menschen möchten in ihrem eigenen Zuhause bleiben, und die meisten Familien wünschen sich das auch für sie. Eine sicherere Wohnung ist einer der praktischsten Wege, das möglich zu machen. Kleine Veränderungen wie besseres Licht an der Treppe oder ein Haltegriff neben der Dusche können den Alltag erleichtern und das Sturzrisiko verringern.

In diesem Ratgeber geht es darum, diese Arbeit als Familie zu organisieren: wie Sie mit Ihrem Elternteil respektvoll Raum für Raum durch die Wohnung gehen, daraus eine klare Liste machen und die Dinge dann auch erledigen. Er stützt sich auf Empfehlungen zur Sturzvorbeugung aus der STEADI-Initiative der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und vom National Institute on Aging (NIA). Er ersetzt keine fachliche Beurteilung – wir zeigen Ihnen, wo diese hilfreich sein kann.

Gemeinsam mit Ihrem Elternteil, nicht über ihren Kopf hinweg

Es ist ihr Zuhause. Wer mit einer Liste hereinkommt, was sich alles ändern muss, wirkt schnell übergriffig – und das geht selten gut. Besser:

  • Fragen Sie Ihren Elternteil, was im Haushalt umständlich oder anstrengend ist. Meist weiß sie oder er es genau.
  • Stellen Sie Veränderungen als Erleichterung dar, nicht als Zeichen des Nachlassens.
  • Geben Sie ihren Wünschen Vorrang. Ein Haltegriff, der wirklich benutzt wird, ist besser als eine „perfekte“ Lösung, die abgelehnt wird.
  • Gehen Sie schrittweise vor. Sie müssen nicht alles an einem Wochenende erledigen.

Das größere Bild: mehr als die Wohnung

Die STEADI-Materialien der CDC für pflegende Angehörige umfassen drei Bereiche: das Sturzrisiko gegenüber der behandelnden Ärztin oder dem Arzt ansprechen, aktiv bleiben und die Wohnung sicherer machen. Die Wohnung ist also nur ein Teil.

Als organisierende Person können Sie auch bei den anderen beiden Bereichen helfen:

  • Gespräche mit Ärzten. Die CDC empfiehlt, das Sturzrisiko mit der Ärztin oder dem Arzt Ihres Elternteils zu besprechen und Medikamentenlisten aktuell zu halten. Setzen Sie „Stürze oder Beinahe-Stürze“ und „fühlt sich unsicher auf den Beinen“ auf Ihre Fragenliste für den nächsten Termin. Wie das geht, erklärt unser Ratgeber zur Vorbereitung von Arztterminen.
  • Augen und Füße. Die CDC-Broschüre für pflegende Angehörige nennt Kontrollen der Augen und der Füße. Achten Sie darauf, dass diese Termine im gemeinsamen Kalender stehen.
  • Aktiv bleiben. CDC und NIA betonen beide Aktivitäten, die Kraft und Gleichgewicht stärken. Die Ärztin oder der Arzt Ihres Elternteils kann sagen, was passend ist.

Die Wohnung Raum für Raum prüfen

Nutzen Sie unsere Vorlage „Checkliste: Sicheres Zuhause“ oder das gleichnamige Tool, um gemeinsam durch die Wohnung zu gehen. Die folgenden Punkte stützen sich auf die Raum-für-Raum-Empfehlungen des NIA zur Sturzvorbeugung und auf die CDC-Broschüre für pflegende Angehörige.

Böden und Laufwege

  • lose Teppiche entfernen oder rutschfest sichern
  • Laufwege frei von Kram, Schuhen und Kabeln halten
  • prüfen, ob Teppichböden fest verlegt sind
  • Möbel so stellen, dass durch jeden Raum ein freier Weg führt

Treppen und Stufen

  • Handläufe auf beiden Seiten der Treppe
  • gutes Licht oben und unten an der Treppe
  • nichts auf den Stufen abstellen
  • lose oder unebene Stufen reparieren

Badezimmer

  • Haltegriffe neben der Toilette und in Badewanne oder Dusche
  • rutschfeste Matten auf nassen Flächen
  • ein Nachtlicht für den Weg in der Nacht

Schlafzimmer

  • eine Lampe und ein Telefon in Reichweite des Betts
  • eine Taschenlampe in der Nähe für den Fall eines Stromausfalls
  • ein freier Weg vom Bett zum Bad

Küche

  • Dinge des täglichen Bedarfs gut erreichbar verstauen
  • eine stabile Greifhilfe statt auf Stühle zu steigen

Außenbereich

  • Eingangsstufen in gutem Zustand und mit rutschfestem Belag
  • Wege frei halten und für den Winter einen Plan gegen Eis und Schnee haben
  • gute Beleuchtung am Eingang

Planen Sie, wie nach einem Sturz Hilfe kommt

Vorbeugung ist nur die halbe Miete. Das NIA empfiehlt, ein aufgeladenes Telefon in Reichweite zu haben oder über ein Notrufsystem nachzudenken, das als Kette oder Armband getragen wird, damit Ihr Elternteil nach einem Sturz Hilfe rufen kann.

Vereinbaren Sie in der Familie:

  1. Wen Ihr Elternteil zuerst anruft und wer die Vertretung ist.
  2. Wer einen Ersatzschlüssel hat oder ob ein Schlüsseltresor sinnvoll ist.
  3. Wo die Notfallinformationen liegen. Unser Notfallblatt für Senioren und die Vorlage „Notfallkontakte“ bündeln Ärzte, Medikamente und Familiennummern an einem Ort für Rettungskräfte.
  4. Wie oft sich jemand meldet und was passiert, wenn Ihr Elternteil nicht abnimmt.

Im Notfall gilt immer: Rufen Sie die 112 oder Ihre örtliche Notrufnummer an.

Aus den Ergebnissen eine Erledigungsliste machen

Sortieren Sie nach dem Rundgang, was Sie gefunden haben, in drei Gruppen:

  • Schnelle Lösungen: Dinge, die Sie heute erledigen können, etwa Kabel verlegen, Treppen freiräumen oder Nachtlichter anbringen.
  • Anschaffungen: rutschfeste Matten, Lampen, eine Greifhilfe, eine Telefonhalterung.
  • Einbauten und Reparaturen: Haltegriffe, Handläufe, Stufen ausbessern. Dafür braucht es vielleicht eine Handwerkerin oder einen Handwerker.

Weisen Sie dann jeden Punkt einer Person mit Zieldatum zu, genau wie jede andere Aufgabe. Unsere Vorlage „Aufgabenverteilung in der Familie“ eignet sich gut dafür. Wer weit weg wohnt, kann Handwerksbetriebe recherchieren und Material bestellen; wer in der Nähe ist, kann den Handwerkern die Tür öffnen.

Fachliche Hilfe und Unterstützung bei den Kosten

Das NIA weist darauf hin, dass eine Begutachtung der Wohnung durch eine Ergotherapeutin, einen Physiotherapeuten oder eine Pflegefachkraft hilfreich sein kann, besonders nach einem Sturz. Fragen Sie die Ärztin oder den Arzt Ihres Elternteils, ob eine Überweisung oder Verordnung sinnvoll ist.

Ob und wie Umbauten in der Wohnung finanziell unterstützt werden, hängt davon ab, wo Ihr Elternteil lebt. Fragen Sie bei Ihren örtlichen Gesundheits- oder Sozialdiensten, bei der Versicherung Ihres Elternteils oder bei einer Beratungsstelle für ältere Menschen und pflegende Angehörige nach, welche Möglichkeiten es gibt.

Damit Veränderungen bleiben

Eine Verbesserung, die nach einer Woche wieder rückgängig gemacht ist, hilft niemandem. Ein paar Gewohnheiten machen den Unterschied:

  • Erklären Sie das Warum. Wenn Ihr Elternteil versteht, dass ein Kabel quer über den Flur eine Stolperfalle ist, räumt sie oder er es eher weg.
  • Machen Sie das Sichere zum Bequemen. Stellen Sie Dinge des täglichen Gebrauchs auf Hüft- oder Schulterhöhe, damit niemand sich strecken oder klettern muss.
  • Achten Sie auf „Umgehungen“. Wenn Ihr Elternteil eine Matte immer wieder wegräumt oder ein Nachtlicht ausschaltet, fragen Sie nach dem Grund. Vielleicht gibt es eine bessere Lösung, etwa eine andere Lampe oder eine Matte, deren Ränder sich nicht aufrollen.
  • Teilen Sie das Hinsehen. Bitten Sie alle, die zu Besuch kommen – auch bezahlte Helferinnen und Helfer sowie Nachbarn –, auf neue Risiken zu achten, etwa einen wackeligen Handlauf, eine durchgebrannte Glühbirne oder Kartons, die sich auf der Treppe stapeln. Halten Sie das in Ihrem gemeinsamen Pflegetagebuch fest, damit nichts verloren geht.

Regelmäßig überprüfen

Wohnungen und Bedürfnisse ändern sich. Gehen Sie die Checkliste mindestens einmal im Jahr durch, nach jedem Sturz oder Krankenhausaufenthalt und beim Wechsel der Jahreszeiten, besonders vor dem Winter. Bewahren Sie von jeder Prüfung eine datierte Fassung auf, damit die ganze Familie sieht, was erledigt ist und was noch aussteht.

Eine sicherere Wohnung beseitigt nicht jedes Risiko. Aber sie gibt Ihrem Elternteil mehr Sicherheit, sich in den eigenen vier Wänden zu bewegen – und der Familie einen klaren, gemeinsamen Plan statt einer diffusen Sorge.

Quellen

  1. STEADI - Older Adult Fall Prevention — Centers for Disease Control and Prevention
  2. Patient & Caregiver Resources — Centers for Disease Control and Prevention
  3. Family Caregivers: Protect Your Loved Ones from Falling — Centers for Disease Control and Prevention
  4. Preventing Falls at Home: Room by Room — National Institute on Aging
  5. Falls and Fractures in Older Adults: Causes and Prevention — National Institute on Aging

CareTaskNest hilft Familien, die Betreuung im Alltag zu organisieren. Wir bieten keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Rufen Sie im Notfall die örtliche Notrufnummer an (112).